Nürnberger Zeitung 19.04.2007

Schüler aus Nürnbergs Partnerstadt Prag zu Gast

Zwei ungleiche Schwestern   

Foto: Iannicelli
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Lang und eindrucksvoll ist die Liste der Städtepartnerschaften, die Nürnberg mit Metropolen auf der ganzen Welt pflegt. 1990, kurz nach der Öffnung des Ostblocks, kam die tschechische Hauptstadt Prag hinzu. Der kulturelle Austausch zwischen beiden Städten wird durch gemeinsame geschichtliche Bande und nicht zuletzt durch die geografische Nähe begünstigt.

Bereits zum dritten Mal folgten nun Prager Oberstufenschüler der Einladung des Labenwolf-Gymnasiums nach Mittelfranken, nachdem im Herbst eine Gruppe von Elftklässlern nach Tschechien gereist war. Unter der Leitung ihrer Lehrkräfte Lucie Pixová und Michael Kniehl vom Gymnázium Voderadská lernen elf Prager Schüler und Schülerinnen eine Woche lang ihre deutschen Nachbarn kennen.

«Städtepartnerschaften müssen mit Leben erfüllt werden», forderte Karl-Heinz Enderle, Fachbetreuer für Geschichte am Labenwolf-Gymnasium gestern auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem noch jungen Nürnberger Verein «Prager Haus». Im Atelier des Bildhauers Václav Gatarik hatten die tschechischen und deutschen Jugendlichen Gelegenheit, in Nürnberg lebende tschechische Emigranten über ihr Leben in der alten und neuen Heimat zu befragen.

Als «erste größere Stadt hinter der Grenze» sei Nürnberg nach dem Krieg, dem «Prager Frühling» 1968 und zuletzt 1989 Ziel von «Emigrationswellen» aus dem heutigen Tschechien gewesen, so der Fotograf Robert Halamícek vom «Prager Haus».

Die Fragen der Elft- und Zwölftklässler zielten dann auch vor allem auf die Erfahrungen aus einer Zeit ab, in der noch Unterdrückung und Willkür durch die kommunistische Diktatur im Nachbarland vorherrschten. Ein Teil der Gesprächspartner hatte die damalige Tschechoslowakische Republik aus politischen Gründen verlassen. Die Schüler fragten nach den Unterschieden zwischen beiden Kulturen und nicht zuletzt nach den Lieblingsspeisen der Emigranten: fränkische Bratwürste und böhmische Knödel.

Die Völkerverständigung im Kleinen war im Übrigen frei von Sprachbarrieren: Die tschechischen Schüler, die seit sechs Jahren Deutsch lernen, konnten sich problemlos mit ihren fränkischen Partnerschülern austauschen. Ein Prager Gymnasiast hatte zuvor bereits drei Monate lang den Unterricht am Labenwolf-Gymnasium besucht.

Die Ergebnisse der Gruppengespräche werden in den kommenden Tagen unter der Leitung von Karl-Heinz Enderle und Ursula Häußler als Projektarbeit schriftlich dargelegt und sollen in den jeweiligen Schülerzeitungen der beiden Gymnasien veröffentlicht werden. Zeit für Ausflüge in Nürnberg und die Umgebung soll dennoch bleiben. Neben Dokumentationszentrum, Fembohaus und Lorenzkirche werden die Gäste auch das Wenzelschloss in Lauf besichtigen.

Der Schüleraustausch lebt vor, was sich der Verein «Prager Haus» nach den Worten seiner Vorsitzenden Robert Halamícek und Václav Gatarik auf die Fahnen geschrieben hat: «die Nürnberger Kulturlandschaft und die der Stadt Prag lebendig zu liieren und zu bereichern». In der Begegnung der zwei ungleichen Schwestern liege ein unschätzbares Potenzial fruchtbaren kulturellen Austauschs.

www.pragerhaus.de

Lioba Schafnitzl

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Nürnberger Nachrichten 19.12.2006

Verein will die Ruhe stören

„Prager Haus“ möchte den kulturellen Austausch beleben   

Seit 16 Jahren ist Prag Nürnbergs Partnerstadt. Viel Austausch zwischen beiden Metropolen gibt es nicht, monieren jedenfalls einige in Nürnberg lebende Tschechen. Das soll sich ändern, und zwar mit dem neu gegründeten Verein „Prager Haus“.

Kriegsende, Prager Frühling und der Fall des Eisernen Vorhangs — jedes dieser Ereignisse hatte zur Folge, dass Tschechen nach Deutschland flüchteten. Schätzungsweise 20 000 leben heute in Nürnberg. Die Künstler Václav Gatarik und Robert Halamícek gehören dazu.

Beide haben in den 70er Jahren ihrer Heimat den Rücken gekehrt, ohne aber den Kontakt ganz abzubrechen. „Es gab immer wieder Anläufe“, sagt der Bildhauer Gatarik mit Blick auf Lesungen, Konzerte und Ausstellungen, die seit Jahren abwechselnd in Nürnberg und Prag organisiert werden. Trotzdem: „Es herrscht so etwas wie eine zu Tode langweilige Ruhe“, meint Halamícek.

Das „Prager Haus“ soll das jetzt ändern. Der Verein, der von einem guten Dutzend Gründungsmitgliedern in Nürnberg aus der Taufe gehoben wurde, will Integration vor allem auf kultureller Ebene voranbringen. „Dieses Projekt tragen wir seit Jahren in unseren Herzen“, sagt Gatarik. „Was bislang aber fehlte, war eine Form, mit Hilfe derer unsere Ideen massiv unterstützt werden können.“

Statt der bisherigen Einzelinitiativen will der Verein künftig den Austausch zwischen den Städten zentral organisieren. Die Oberhäupter von Prag und Nürnberg haben ihre Unterstützung bereits zugesagt. Ebenso wie der tschechische Generalkonsul Karel Boruvka aus München.

Er ist zugleich eines der Gründungsmitglieder des „Prager Hauses“. „Man braucht konkrete Projekte für eine Städtepartnerschaft, nicht nur eine Urkunde“, so Boruvka. Dem tschechischen Außenministerium, dem der Generalkonsul unterstellt ist, will er den Verein demnächst schmackhaft machen. EVA LINDNER

Ansprechpartner und künftige Veranstaltungen des Vereins, der zudem auf der Suche nach Räumlichkeiten ist, stehen unter: www.pragerhaus.de

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Nürnberger Zeitung 18.12.2006

Verein „Prager Haus“ will Städtepartnerschaft vorantreiben

„Die Zeit ist reif für frische Luft“   

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Der neu gegründete Verein „Prager Haus“ will jetzt endlich Leben in die nie recht in die Gänge gekommene Städtepartnerschaft zwischen Nürnberg und Prag bringen.

„Wir haben doch so viel gemeinsam“, betont Robert Halamicek. Der in Nürnberg lebende Fotograf wurde bei der Gründungsversammlung am Wochenende zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt. Er verweist auf Karl IV. und die alten Handelsbeziehungen, aber auch auf die aktuellen Entwicklungen. „Auf der neu gebauten Autobahn sind Sie jetzt doch in drei Stunden in Prag“, sagt er.

Zur Gründungsversammlung des Vereins war auch der Generalkonsul der Tschechischen Republik, Karel Boruvka, aus München gekommen, um den Gründungsmitgliedern, denen schon der Prager Oberbürgermeister zuvor per E-Mail viel Erfolg gewünscht hatte, auch noch das Wohlwollen des tschechischen Außenministers zu übermitteln.

Die Gründungsversammlung fand im böhmischen Restaurant „Zum Schwänlein“ statt. Wie der Vereinsname „Prager Haus“ aber unschwer erkennen lässt, ist es Ziel des Vereins, irgendwann einmal, sowohl in Nürnberg als auch in Prag, eine eigene Versammlungsstätte zu besitzen. „Es ist wirklich schade, dass es da noch nichts gibt“, sagt Halamicek mit neidischem Blick auf das „Krakauer Haus“ an der Nürnberger Stadtmauer.

Bei den 13 Gründungsmitgliedern handelt es sich hauptsächlich um Künstler. Neben Halamicek gehören auch der Bildhauer Vaclav Gatarik oder der Schriftsteller Friedhelm Sikora zu den Initiatoren des Vereins. „Wir wollen in Prag zeigen, welch talentierte Künstler es in Nürnberg gibt und umgekehrt“, kündigt der Vereinsvorsitzende an. Im Januar ist eine erste Veranstaltung geplant: Bei einer Lesung soll der hierzulande noch relativ unbekannte Philosoph Ladislav Klima vorgestellt werden.

Halamicek hält es aber auch generell für wichtig, die deutsch-tschechischen Beziehungen zu vertiefen. „Es gibt da noch so viele Schatten, die wollen wir wegschaffen.“ Inzwischen seien dazu auch die Voraussetzungen geschaffen. Prag sei eine Weltstadt, sowohl als Partnerstadt und auch wegen der geografischen Nähe und der geschichtlichen Verbindungen habe Nürnberg jetzt eine wichtige Bedeutung beim europäischen Integrationsprozess der tschechischen Nachbarn.

Wahrscheinlich, so mutmaßen die Gründungsmitglieder des Vereins, sei die 1990 geschlossene Städtepartnerschaft zwischen Nürnberg und Prag deshalb noch etwas zu früh gekommen. Jetzt aber sei die Zeit reif, „da frische Luft hineinzubringen“, meint Halamicek. vip

Nähere Informationen und Kontakt über die Homepage des Vereins unter www.pragerhaus.de

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